{"id":60,"date":"2014-11-15T12:43:29","date_gmt":"2014-11-15T10:43:29","guid":{"rendered":"http:\/\/friedenskoch-jalil.rhcloud.com\/?page_id=60"},"modified":"2026-03-15T16:57:32","modified_gmt":"2026-03-15T15:57:32","slug":"gemeindezentrum-in-ramle","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.friedenskoch.de\/?page_id=60","title":{"rendered":"Gemeindezentrum in Ramla"},"content":{"rendered":"<p style=\"padding-left: 30px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-231 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.friedenskoch.de\/wordpress_de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Gemeindez_w5.jpg\" alt=\"Gemeindez_w5\" width=\"542\" height=\"776\"><\/p>\n<h1 style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #0000ff;\"><strong><br \/>\nKochen f\u00fcr den Bau eines Gemeindezentrums in Ramla<\/strong><\/span><\/h1>\n<h3 style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Circa 20% der Bev\u00f6lkerung von Ramla \/ Israel (bei Jaffa) sind Pal\u00e4stinenser mit israelischem Pass. Davon sind ca. 8% evangelische, katholische und orthodoxe Christen und 12% Muslime.<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Im Jahre 1985 besuchte ich meine Heimatgemeinde in Ramla, um dort Ostern zu feiern. Dieses Fest wird bei den orthodoxen Gemeinden, nach der langen siebenw\u00f6chigen Fastenzeit ohne den Verzehr von tierischen Produkten, ganz gro\u00df gefeiert und dabei werden L\u00e4mmer gegrillt. Die arabische Sprache hat &nbsp;f\u00fcr &nbsp;Ostern &nbsp;zutreffende &nbsp;Namen &nbsp;wie: &nbsp;<strong>Fest der Auferstehung (\u00ccd-al-Qiamah),&nbsp;<\/strong>&nbsp; das <strong>gr\u00f6\u00dfte Fest, (\u00b4Id al-kabier<\/strong>) oder<strong>&nbsp;<\/strong><strong> das Fest aller Feste.<br \/>\n<\/strong>Die Feierlichkeiten fanden aber in der Aula eines israelischen Gymnasiums statt. Die Aula war zwar voller Menschen, es fehlte jedoch die feierliche religi\u00f6se Atmosph\u00e4re, um das <strong>\u201egr\u00f6\u00dfte Fest aller Feste<\/strong>\u201c zu feiern.&nbsp;&nbsp; Auf meine Frage: &#8222;Warum feiert Ihr das Fest der Auferstehung hier und nicht in den Gemeinder\u00e4umen?&#8220; zeigte mir mein Bruder anschlie\u00dfend eine verlassene Bauruine und erz\u00e4hlte mir folgendes: 1975 begann die christlich orthodoxe Gemeinde in Ramla mit dem Bau eines Gemeindezentrums. Dies war f\u00fcr die kulturelle und religi\u00f6se Identit\u00e4t der Christen als Minderheit in Israel lebensnotwendig. Durch die nachtr\u00e4gliche staatliche Auflage, das Geb\u00e4ude mit einem bombensicheren Keller zu untermauern, konnte der Bau aus Kostengr\u00fcnden nicht weiter gebaut werden. So stand das Geb\u00e4ude halbfertig fast 10 Jahre lang als Bauruine da. Als ich das sah und h\u00f6rte, wurde ich nachdenklich. Daraufhin bat mich mein Bruder, obwohl er wusste, dass ich f\u00fcr die Waisenm\u00e4dchen im Libanon engagiert war, den Christen in unserer Geburtsstadt zu helfen, damit sie das Fest der Auferstehung w\u00fcrdig und voller Freude in den eigenen R\u00e4umen feiern k\u00f6nnen.<\/h3>\n<h3 style=\"padding-left: 60px; text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.friedenskoch.de\/wordpress_de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Gemeindez4_w5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-232 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.friedenskoch.de\/wordpress_de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Gemeindez4_w5.jpg\" alt=\"Gemeindez4_w5\" width=\"605\" height=\"949\"><\/a><\/h3>\n<h3 style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\">Nach meiner R\u00fcckkehr nach K\u00f6ln lie\u00df mich diese Aufforderung nicht in Ruhe. Da ich seinerzeit als orthodoxer Christ &nbsp;in der \u00d6kumene regen und &nbsp;engen Kontakt zu evangelischen und katholischen Pfarrern hatte, glaubte ich hier eine finanzielle Hilfe zum weitern Bau des Gemeinde-zentrums f\u00fcr die wenigen &#8222;Urchristen&#8220; im Heiligen Land zu bekommen. Es wurde damals f\u00fcr einen Projekt zugunsten der Indianer in S\u00fcdamerika gesammelt, so dass f\u00fcr mein Anliegen kein Geld vorhanden war. Daraufhin stellte ich mir die Frage, was ich pers\u00f6nlich daf\u00fcr tun kann &#8211;<br \/>\n<span style=\"color: #008000;\"><strong>Kochen, kam prompt die Antwort, &nbsp;das kann ich.<\/strong><\/span><br \/>\nEs war mir bekannt, dass jede kirchliche Gemeinde mindestens einmal im Jahr ein Gemeindefest mit Erbsensuppe und W\u00fcrstchen feiert. Da hatte ich pl\u00f6tzlich den Einfall, bei solchen Gemeindefesten das sogenannte &nbsp;&#8222;biblische Linsengericht&#8220; auch, \u201eEsau Mahl\u201d (keine Suppe!) genannt, das man im ganzen Orient seit Jahrhunderten kocht, anzubieten. Und so wurde die Idee geboren.<br \/>\nEin evangelischer Pfarrer in K\u00f6ln \u2013 Klettenberg, der mehrmals im &nbsp;Heiligen Land war, erlaubte mir nach einem Familiengottesdienst f\u00fcr 50 Personen seiner Gemeinde zu kochen. Die Gemeindemitglieder waren begeistert.&nbsp;Die Idee schlug Wellen und stie\u00df \u00fcberall auf freudige Annahme. Ich wurde regelrecht durch die Gemeinden herumgereicht.<br \/>\nDrei Monate sp\u00e4ter fragte mich ein Pfarrer, der ein gro\u00dfes Jugendfest plante, ob ich bereit sei, f\u00fcr 1000 Jugendliche zu kochen. Aber das Essen m\u00fcsse p\u00fcnktlich gebracht werden. Denn er wusste, dass ich aus dem Orient kam und im Orient hat man bekanntlich viel mehr Zeit als hier in Deutschland. Ich \u00fcberlegte kurz und sagte: \u201eWenn du mir f\u00fcnf Helfer, gro\u00dfe Kocht\u00f6pfe und eine gro\u00dfe K\u00fcche zur Verf\u00fcgung stellst, dann k\u00f6nnte ich Ja sagen, au\u00dferdem brauche ich ein Auto, damit ich das Essen p\u00fcnktlich bringen kann&#8220;. Ich habe nicht geglaubt, dass er Ja sagen w\u00fcrde. Ich verbrachte die n\u00e4chsten Tage in Unruhe.<br \/>\nZum Gl\u00fcck rief er mich einige Tage danach an und sagte zu mir, dass ich nur f\u00fcr f\u00fcnfhundert Personen zu kochen brauchte. Ich war \u00fcber diese Nachricht froh und erleichtert, denn ich wusste in der Tat nicht, welche Menge n\u00f6tig ist, f\u00fcr so viele Menschen zu kochen. Eines aber wusste ich, dass dieses Gericht sehr viele Zwiebeln ben\u00f6tigt. So kaufte ich 80 kg Zwiebeln und habe mit f\u00fcnf Damen die Zwiebeln gesch\u00e4lt, geschnitten und gemeinsam geweint. Dazu hatte ich aus 120 Liter Frischmilch (beim Bauer gekauft) Joghurt\/Quark (nach Gro\u00dfmutters Rezept) hergestellt, um Zaziki zu machen. Kurz, ich pr\u00e4sentierte das Essen wie gew\u00fcnscht auch p\u00fcnktlich und alle waren begeistert und sie erz\u00e4hlten es in ihren Gemeinden weiter, so dass ich dann von vielen Gemeinden, auch au\u00dferhalb von K\u00f6ln, zum Kochen eingeladen wurde.<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><a href=\"https:\/\/www.friedenskoch.de\/wordpress_de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Gemeindez3_w5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-233 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.friedenskoch.de\/wordpress_de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Gemeindez3_w5.jpg\" alt=\"Gemeindez3_w5\" width=\"585\" height=\"875\"><\/a><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Eine Weile danach rief mich eine nette Pfarrerin an, ob ich bereit w\u00e4re, zu ihrem 50. Geburtstag zu kochen. Sie m\u00f6chte gerne mit 175 G\u00e4sten feiern und ob ich auch etwas anderes anbieten k\u00f6nnte au\u00dfer dem biblischen Linsengericht, das sie mehrmals gegessen hatte und gut fand. Darauf hin erstellt ich eine komplette Men\u00fckarte, bestehend aus einer &#8222;kommunikativen&#8220; Vorspeise, 3 verschiedene Gerichte, dazu Tomaten \/ Gurkensalat, Zaziki aus selbst gemachtem Quark, selbstge-backenem Kuchen, arabischem Mokka (Kaffeemehl mit Kardamom aus &nbsp;Jerusalem).<br \/>\nDie G\u00e4ste waren so begeistert, dass sie mich dann f\u00fcr alle m\u00f6glichen festlichen Anl\u00e4sse zum Kochen einluden, wie zum Beispiel: Geburtstagen, Ordinationsfeiern, Hochzeiten, Gemeindefeste und auch bei Kirchentagen in ganz Deutschland, von 50 bis 1000 Portionen. So konnte ich innerhalb von ca. drei Jahren ca. 20.000 Mark zusammensparen.<br \/>\nIm Jahre 1988 organisierte ich eine Jugendgruppe, die mit mir nach Ramla flog, um am Gemeindezentrum zu arbeiten. Es waren sieben junge Frauen und drei junge M\u00e4nner aus NRW, im Alter zwischen 20 und 26 Jahren. Die deutschen M\u00e4dchen wurden bei arabischen Familien untergebracht, die eigene T\u00f6chter im gleichen Alter hatten. Es wurde vereinbart, dass auch die beh\u00fcteten arabischen T\u00f6chter mit bei den Bauarbeiten helfen sollten. So entstand eine sch\u00f6ne gemischte Arbeitsgruppe. Es ging mir hier au\u00dferdem darum, dass die deutschen Jugendlichen 3 Wochen lang mit den arabisch christlichen Familien ihren Lebensweg teilten, damit sie das soziale, politische und religi\u00f6se Leben der Familie kennen lernen. Mit dem Geld haben wir Steine, Zement, Sand etc. gekauft und dann gemeinsam mit zwei Maurern aus Gaza am Bau gearbeitet. Wir konnten immerhin nach drei Wochen die Grundmauern um zwei Meter hochziehen.<br \/>\nAn den Wochenenden haben wir gemeinsam verschiede Touren unternommen. Das ersten Wochenende haben wir in Bethlehem \/ Jerusalem verbracht. In Jerusalem haben wir mit den arabisch evangelisch Lutherische Gemeinde (Erl\u00f6serkirche) eine Taize Andacht gefeiert. Wir wurden sogar von dem Patriarchen der orthodoxen Kirche in Jerusalem zu eine Audienz empfangen. Das zweite Wochenende verbrachten wir am See Genezareth und das dritte Wochenende haben wir uns am Strand von Tel-Aviv erholt.<br \/>\nEs war f\u00fcr uns alle eine au\u00dfergew\u00f6hnliche, interessante und erfahrungsreiche Begegnung.<br \/>\nEin Jahr sp\u00e4ter flog ich alleine nach Ramla und siehe da, die W\u00e4nde waren auf ca. 5 Meter angewachsen. Ich war sehr erstaunt und fragte, ob sie noch mehr Maurer bestellt und am Bau weiter gearbeitet hatten. Sie sagten NEIN \u201edu hast uns beigebracht, dass wir auch selber etwas tun k\u00f6nnen. So haben wir beschlossen, in unserer Freizeit am Freitagnach-mittag und Samstag am Bau weiter zu arbeiten\u201c. Ich war sehr ger\u00fchrt und Gott dankbar, als ich das h\u00f6rte.<br \/>\nSo wurde schlie\u00dflich mit den Jahren das Gemeindezentrum im Jahre 1991 feierlich er\u00f6ffnet.<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kochen f\u00fcr den Bau eines Gemeindezentrums in Ramla Circa 20% der Bev\u00f6lkerung von Ramla \/ Israel (bei Jaffa) sind Pal\u00e4stinenser mit israelischem Pass. Davon sind ca. 8% evangelische, katholische und orthodoxe Christen und 12% Muslime. Im Jahre 1985 besuchte ich meine Heimatgemeinde in Ramla, um dort Ostern zu feiern. 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