Friedenskoch

Aktuelles Projekt: Die Fachstelle

Unser Verein Abrahamszelt e.V. hat in den vergangenen Jahren intensiv versucht, den Bau eines bilingualen multikulturellen Kindergartens in Israel zu fördern. Leider waren diese Versuche aus verschiedenen Gründen nicht erfolgreich. Wir haben uns daher, mit Unterstützung des Kindermissionswerks „Die Sternsinger", für ein Projekt zur Finanzierung eines Aus- und Fortbildungsprogramms für bilinguale und multikulturelle Bildung von Kindergartenpersonal entschieden – umgesetzt durch die Organisation Hand in Hand, Zentrum für jüdisch-arabische Erziehung in Jerusalem.

„Hand in Hand" unterhält derzeit drei Schulen und fünf Kindergärten mit insgesamt 1.800 jüdischen und arabischen (christlichen und muslimischen) Mädchen und Jungen zu je 50 %, die gemeinsam zweisprachig – Arabisch und Hebräisch – von jeweils zwei Lehrkräften unterrichtet werden. Langfristig soll die Zahl der integrativen Schulen und Kindergärten auf 15 erhöht werden.

Für die jüngeren Kinder besteht weiterhin dringender Bedarf an einem angepassten pädagogischen Konzept, an Material und an qualifiziertem Personal. Die neue Fachstelle entwickelt dieses Konzept, stellt Unterrichtsmaterial zusammen und plant die Fortbildung von Kindergartenpersonal. Dafür werden ein jüdischer und ein arabischer Projektkoordinator sowie vier Halbtagsstellen für die Materialerstellung eingerichtet. So entsteht ein Kompetenzzentrum, das nicht nur bestehende Kindergärten stärkt, sondern auch als Anlaufstelle für weitere Träger dient, die sich für friedliches Zusammenleben engagieren möchten.

„Die Kinder von heute sind die Lenker von morgen."

Abgeschlossene Projekte

Gemeindezentrum in Ramla

Rund 20 % der Bevölkerung von Ramla sind Palästinenser mit israelischem Pass, davon etwa 8 % Christen und 12 % Muslime. Bei einem Osterbesuch 1985 fand das größte Fest der orthodoxen Gemeinde – das Fest der Auferstehung – notdürftig in der Aula eines israelischen Gymnasiums statt, weil ein 1975 begonnenes Gemeindezentrum als Bauruine stehen geblieben war: Eine nachträgliche staatliche Auflage, das Gebäude mit einem bombensicheren Keller zu untermauern, hatte den Weiterbau aus Kostengründen gestoppt.

Zurück in Köln entstand die Idee, bei kirchlichen Gemeindefesten das biblische Linsengericht anzubieten und mit dem Erlös zu helfen. Aus dieser ersten Kochaktion für 50 Personen wuchs über die Jahre eine Bewegung, die es ermöglichte, das Gemeindezentrum 1991 fertigzustellen.

Gemeindezentrum in Ramla

Gymnasium für Ramla

Schon 1985 war das Schulniveau in israelisch-arabischen Schulen spürbar niedriger als in jüdischen Schulen. Als das Gemeindezentrum 1991 fertig war, entschied der Gemeinderat mit finanzieller Unterstützung von Jalil Schwarz, das Gebäude um zwei Stockwerke zu einem Gymnasium zu erweitern – ausgestattet mit zehn kompletten Schülerübungsgeräten für Physik, Biologie und Chemie im Wert von rund 90.000 DM, dazu Stühlen, sieben Singer-Nähmaschinen und Sportgeräten.

Dank großzügiger Spenden – darunter eine anonyme Spende über 40.000 DM –, kirchlicher Kollekten, der Eigeninitiative der Christen von Ramla sowie der Kochaktionen konnte das Gymnasium am 1. Oktober 1994 eingeweiht werden. Eine Woche später besuchte der damalige EKD-Vorsitzende Manfred Kock die Schule. Heute besuchen über 600 christliche und muslimische Schülerinnen und Schüler vom 5. bis 12. Schuljahr das Gymnasium, das in der Region hohes Ansehen genießt.

Einweihung des Gymnasiums am 1. Oktober 1994
Gymnasium in Ramla

The Four Homes of Mercy in Jerusalem

Das Zentrum „The Four Homes of Mercy" am Ölberg (al-Asariyeh) in Jerusalem betreut körperlich und geistig behinderte Kinder und unterhält je ein Altenheim für Männer und Frauen. Bei einem Besuch 1994 stellte Jalil Schwarz fest, dass das Heim nur dürftig ausgestattet war – es fehlten etwa Nachtschränke, Rollstühle und Gehhilfen. Über Kölner Krankenhäuser und Altenheime konnte er ausgemusterte Geräte sammeln und per Container als Spende nach Jerusalem schicken.

Frauenverein Djamiat hamilat al-tieb

Der „Salben tragenden Frauen Verein" betreut in der Altstadt von Jerusalem alleinstehende Frauen, Waisenmädchen und Witwen und vermittelt ihnen das Nähen und Besticken traditioneller palästinensischer Kleider, dazu medizinische Betreuung. Jalil Schwarz beschaffte 12 überholte Nähmaschinen, kaufte den Frauen Kleider ab und verkaufte sie weiter, besorgte gebrauchte Laborgeräte zur Blutuntersuchung sowie rund 80 kg Medikamente, die über mehrere Pilgergruppen nach Jerusalem gebracht wurden.

Berufsschule in Hebron

Als 1994 das Elektrotechnik-Labor am Berufsförderungswerk Michaelshoven erneuert wurde, konnte Jalil Schwarz als dortiger Dozent den Direktor überzeugen, die gut erhaltenen alten Lehrgeräte zu spenden statt sie zu entsorgen. Über die palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah kam der Kontakt zum neuen Kolleg für Elektrotechnik/Elektronik in Hebron zustande, das noch über keinerlei Unterrichtsmaterialien verfügte. Die umfangreiche Laborausstattung im Wert von rund 800.000 Mark wurde in einem 20-Kubikmeter-Container nach Hebron transportiert; das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) übernahm die Hälfte der Transportkosten.

Elektro-Lehrgeräte für die Berufsschule in Hebron

Ursprüngliches Projekt: Der interreligiöse Kindergarten

Vor der Zusammenarbeit mit Hand in Hand standen verschiedene eigene Entwürfe für einen interreligiösen Kindergarten – als Ganztagseinrichtung nach neuesten pädagogischen Konzepten, zweisprachig auf Hebräisch und Arabisch, offen auch für Kinder mit Behinderungen. Entworfen wurden die Gebäude vom international renommierten Lehmbau-Experten Prof. Dr.-Ing. G. Minke gemeinsam mit Dipl.-Ing. F. Mahlke (Universität Kassel) – ökologisch gebaut aus Holz, Lehm und Jerusalemer Stein, mit Solarzellen und Regenwassernutzung, und gedacht zugleich als kulturelles Zentrum für Theater, Konzerte und interreligiöse Begegnungen.

Es gab Entwürfe für Ramla, für Lod (Lydda) sowie für Neve Shalom / Wahat al-Salam. Trotz intensiver Vorarbeit und langwieriger Verhandlungen ließen sich diese Projekte leider nicht verwirklichen. Die dafür vorgesehenen Mittel fließen seitdem in die Fachstelle für bilinguale Bildung – eine Investition nicht in Steine, sondern in die Ausbildung der Kinder.

Jalil Schwarz mit einem Architekturmodell des geplanten Kindergartens
Grundriss des geplanten interreligiösen Kindergartens in Ramla

Historie: Der Verein Abrahamszelt e.V.

Um das Ziel der Völkerverständigung und des friedlichen Zusammenlebens von Kindern verschiedener Religionen zweckgerichtet zu fördern, wurde am 1. April 2003 der gemeinnützige Verein „Abrahamszelt – Freunde und Förderer der interreligiösen Erziehung von Kindern in Israel e.V." gegründet. Vorstand waren Jalil Schwarz, Ludger Petersmann und Joachim Franck; dem Kuratorium gehörten unter anderem Daniel Barenboim, Dr. Reiner Bernstein, Renate Canisius, Pfarrer Ernst Fey, Pfarrer Manfred Kock, Prof. Dr.-Ing. G. Minke, Richard Nobis, Hermann Sieben, Msgr. Winfried Pilz und Shimrit Schreiber (Härtl) an.

Nachdem das Vereinsvermögen für die Fachstelle verwendet und die satzungsgemäßen Ziele erreicht waren, beschlossen die Mitglieder auf der Versammlung vom 25. November 2016 die Auflösung des Vereins. Als Nachfolge wurde die Friedensstiftung „Jalil Schwarz – Friedenskoch" als Stiftungsfonds der Sternsinger-Stiftung gegründet, die die Arbeit seitdem fortführt.

Hinweis: Der Verein Abrahamszelt e.V. ist seit 2016 aufgelöst. Die hier beschriebene Vereinsstruktur ist historisch – aktuelle Unterstützung ist über die Friedensstiftung und das Spendenkonto möglich.